FDP im Dialog mit den Bauern

Diskussionsveranstaltung in Windsfeld

Kreisvorsitzender Geilhardt, BBV-Obmann Rottenberger, Rainer Erdel, Dr. Fritz Bullinger und Günter Hagenheimer.

„Wenn die EU-Gelder für die Landwirtschaft massiv gekürzt werden, dann bedeutet das eine massive Beschleunigung des Strukturwandels.“ Wie der Kreisobmann des Bauernverbands, Fritz Rottenberger, auf einer FDP-Agrarveranstaltung im „Moarhof“ in Windsfeld einräumte, beziehen die Bauern schon heute 50 Prozent ihres Einkommens durch Zuwendungen „außerhalb der Produktion“.

Die Landwirte könnten am steigenden Einkommensniveau der übrigen Gesellschaft nicht teilhaben, erklärte der Pfofelder Landwirtschaftsmeister.  Er skizzierte die Veränderungen: „Viele unserer Kollegen verbringen mehr Zeit im Büro als im Stall oder auf dem Feld.“ Er vermisst den Respekt der Menschen, denn: „Wir produzieren qualitativ hochwertige Nahrungsmittel und pflegen die Naturlandschaft, aber das wird nicht mehr anerkannt.“ Viel Geld hätten sie in die dezentrale Energienutzung, sprich Biogasanlagen, investiert, nun aber müssten sie sich der Klagen erwehren. Rottenberger, der auf seinem Hof auch ausbildet, sieht die Perspektiven eher schlecht: „Wie oft merke ich, dass unsere bäuerliche Jugend regelrecht verheizt wird, das tut mir in der Seele weh.“  Bauernkinder würden schon in der Schule gemobbt und zudem werde versucht, die landwirtschaftlichen Maschinen aus dem Dorf zu verbannen. Es werde der Eindruck vermittelt, von den Kühen gehe mehr Gefahr für den Klimaschutz aus als von Autos oder Flugzeugen. „Wir werden“, so prognostiziert Rottenberger, „in fünfzehn Jahren von den jetzt 1600 Höfen keine 1000 mehr haben“.  Ein Grund dafür sei der „undurchschaubare Wust an Bürokratie“. Allein die neue Düngemittelverordnung zähle 105 Seiten.

Mit dem Hohenloher Landtagsabgeordneten Dr. Friedrich Bullinger hatten der FDP-Kreisvorsitzende Thomas Geilhardt und Moderator Günter Hagenheimer einen Politiker zu Gast, der als Rechts- und Agrarwissenschaftler ein bewegtes berufliches Leben hinter sich hat. Er war drei Jahre Präsident des Landesgewerbeamts Baden-Württemberg und zwei Jahre Amtschef im Wirtschaftsministerium. Seit 2006 vertritt der 64-Jährige aus dem grenznahen Rot am See den Stimmkreis Schwäbisch-Hall im Stuttgarter Landtag. Er diagnostiziert die Landwirtschaft rational: „Die Zeit der Garantiepreise ist vorbei, die Landwirtschaft ist voll im Wettbewerb. Wer etwas anderes sagt, der lügt.“  Herkömmliche Landwirtschaft werde es trotzdem weiterhin geben, denn „Bio ist nicht die Rettung als Ganzes“. Der Agrarwissenschaftler („Ich bin auch ein gelernter Schnapsbrenner“) beklagt, dass die Landwirtschaftsberater zur Agrarpolizei geworden sind. In Baden-Württemberg koste die Kontrolle der Betriebe jährlich 15 Millionen Euro.

Horror empfindet Rainer Erdel, der frühere Bundestagsabgeordnete und heute Bürgermeister von Dietenhofen, wenn er an den Strukturwandel in seiner französischen Partnergemeinde denkt: „Sterbende Orte, nur noch Rentner“. Er wandte sich gegen die nostalgische Sicht auf die Landwirtschaft und die dörflichen Strukturen.  In der Vergangenheit sei längst nicht alles besser gewesen. Erdel, der in seiner Heimat das erste genossenschaftliche Blockheizkraftwerk aufgebaut hat, ordnet die Rolle der alternativen Energien nüchtern ein: „Von den 12,6 Millionen Megawattstunden Strom, die alle Mittelfranken im Jahr verbrauchen, kommen nur 1,1 Millionen von Photovoltaikanlagen, 1,1 Millionen von Biogasanlagen und 600000 von Windrädern.“ Bioenergie allein könne also nicht den gesamten Raum versorgen. Wenn  nur die Hälfte der notwendigen Energie vom Biogas käme, müssten die Anlagen verfünffacht und die Zahl der Windräder verzehnfacht werden.

In der angeregten Diskussion wandte sich der Markt Berolzheimer Bürgermeister und Biobauer Fritz Hörner gegen den Begriff der Grundeinkommenssicherung: „Sie  macht den Landwirt zum Hartz IV-Empfänger.“ Die Bauern dürften nicht zu reinen Rohstofflieferanten verkommen, sondern die Marktnischen pflegen und sie bräuchten den Schulterschluss mit qualitätsbewussten Verbrauchern. Im Zusammenhang mit der Glyphosat-Diskussion sprach Rainer Erdel von einem „gewaltigen Verhetzungspotenzial. Moderator Günter Hagenheimer befand: „Wir müssen beidseitig Feindbilder abbauen.“

 


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