FDP für kontrollierte Freigabe von Cannabis

Bild (von links nach rechts): Dr. Ralf Schabik, Dr. Jan Dunker, Dr. Lukas Köhler, Luca Scharf, Dr. Thomas Sievert, Thomas Geilhardt und Birgit Wegner (Bild: FDP Kreisverband WUG).

FDP fordert kontrollierte Freigabe von Cannabis

Diskussion mit Ärzten, Apothekern und Patienten in Treuchtlingen

Auf Einladung des FDP-Kreisverbands Weißenburg-Gunzenhausen und des Bezirksverbands der Jungen Liberalen kamen am 11. Mai 2019 rund 40 Personen zu einer Diskussionsveranstaltung in die kleine Stadthalle nach Treuchtlingen. Referate des Internisten Dr. Thomas Sievert und des FDP-MdB Dr. Lukas Köhler, Patientenerfahrungen sowie Impulse aus der Apothekerschaft mündeten in einer intensiven Podiumsrunde rund um die Anwendung und Legalisierung von Cannabis.

 

Nach einem einleitenden Grußwort vom Treuchtlinger Bürgermeister Klaus Fackler, erläuterte Dr. Lukas Köhler, FDP-Bundestagsabgeordneter aus München, die aktuelle Rechtslage bei Cannabis-Produkten und beleuchtete die Position der Freien Demokraten zur Medikation mit Cannabis und dessen Freigabe zum eigenverantwortlichen Konsum. Dr. Thomas Sievert,niedergelassener Internistaus Gunzenhausen, zeigte den Einsatz insbesondere der cannabisbasierten Wirkstoffe Tetrahydrocannabinol(THC) und Cannabidiol (CBD) in der Medikation verschiedener Patientengruppen und Indikationen auf. Er gab einen Einblick in die Erkenntnisse wissenschaftlicher Studien, die hinsichtlich der Wirksamkeit kein einheitliches Bild vermitteln, zeigte Medikationserfolge, aber auch mögliche Nebenwirkungen auf. Betroffene Patienten, die bei ihren Krankheitsbildern nur mit Cannabis-Produkten eine Linderung ihrer Beschwerden erzielten konnten, berichteten von ihren Erfahrungen.

In einer Podiumsdiskussion, moderiert vom FDP-Kreisvorsitzenden Thomas Geilhardt aus Pleinfeld, begrüßte Dr. Jan Dunker aus Nürnberg, Vorsitzender des FDP-Landesfachaus-schusses Gesundheit und Pflege, eine enge Kooperation von Ärzten und Apothekern bei der zielgerichteten Medikation von Patienten mit Cannabis-Produkten. Dr. Ralf Schabik, mittelfränkischer Bezirksvorsitzender des Bayrischen Apothekerverbands, bekräftigte, viele Apotheker seien dazu bereit, Patienten beim Konsum cannabishaltiger Pharmazeutika mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Er befürworte einen verantwortlichen Einsatz von Cannabis in der Medikation bestimmter Krankheitsbilder und Symptome, so der selbstständige Apotheker aus Altdorf b. Nürnberg.

Angesichts der Tatsache, dass viele Patienten CBD-haltige Medikamente noch immer aus eigener Tasche bezahlen müssen, forderte Dr. Lukas Köhler: „Verschreibungspflichtige Medikationen mit CBD müssen die gesetzlichen Krankenversicherungen in Zukunft erstatten.“ Entsprechende Anfragen zur Thematik bei der Bundesregierung und parlamentarische Initiativen auf dieses Ziel hin habe die FDP-Bundestagsfraktion bereits auf den Weg gebracht.

Neben einer erleichterten medizinischen Anwendung von Cannabis-Produkten setzt sich die FDP auch dafür ein, den Besitz und Konsum für Volljährige zu erlauben. „Nur der kontrollierte Verkauf von Cannabis in lizenzierten Geschäften, etwa Apotheken, kann die Qualität sichern, die Weitergabe von verunreinigten Substanzen verhindern und den Jugendschutz gewährleisten“, erklärte der Bezirksvorsitzende der Jungen Liberalen, Luca Scharf aus Lauf.

Dr. Thomas Sievert sieht eine generelle Freigabe derzeit noch kritisch, da die Auswirkungen bei flächenhafter Erlaubnis nicht absehbar seien. „Zunächst“ so Dr. Sievert „kann ich mir eine kontrollierte Abgabe (z.B. in Apotheken) vorstellen, um weitere Erfahrungen zu sammeln.“

Die strafrechtliche Verfolgung des Besitzes von Cannabis kriminalisiere unzählige Menschen und binde immense Ressourcen bei der Polizei, die etwa bei der Verfolgung von Schwerkriminalität besser eingesetzt wären, sagte Dr. Lukas Köhler: „Eine Besteuerung des Cannabis ähnlich wie bei Zigaretten kann zusätzliches Geld einbringen, das für Prävention, Suchtbehandlung und Beratung eingesetzt werden soll.“

Eine Freigabe erfordere für das bislang als Betäubungsmittel klassifizierte Cannabis Regelungen parallel zum gesellschaftlich breit akzeptierten Genussmittel Alkohol. Um beim Konsum von Cannabis gar keine Diskussionen über die Vertretbarkeit von Grenzwerten aufkommen zu lassen, forderte Köhler für das Führen von Kraftfahrzeugen unter Cannabis-Einfluss eine klare 0,0-Promille-Grenze.

Birgit Wegner, Bezirksvorständin der FDP, resümierte „mit dieser Veranstaltung haben wir als Liberale aufgezeigt, dass wir kontrovers diskutierte Themen mit Umsicht angehen und unsere Positionen in der Öffentlichkeit transparent darstellen“.

 


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